Vom Ich zum Wir: Wie wir gesellschaftliche Resilienz messbar gemacht haben
Wie bleibt eine Gesellschaft handlungsfähig, wenn sich Krisen überlagern und der Zusammenhalt bröckelt? Dieser Frage ist die gemeinnützige Organisation Cociety zwei Jahre lang mit ihrem Dialogformat CoSaturday nachgegangen. Wir bei Q durften dieses Projekt von der ersten Idee bis zur finalen Auswertung begleiten und die Ergebnisse liegen jetzt in der Studie „Vom Ich zum Wir“ vor.
Ein Format, das es so noch nicht gab
CoSaturday bringt Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten, Meinungen und politischen Haltungen an einen Tisch – moderiert, in einem geschützten Rahmen und wissenschaftlich begleitet. 100 Bürger:innen aus dem Großraum Hamburg wurden über zwei Jahre hinweg fünfmal befragt: 50 nahmen an vier ganztägigen CoSaturday-Veranstaltungen teil, 50 sogenannte soziodemografische Zwillinge bildeten die Kontrollgruppe und wurden ausschließlich per Fragebogen befragt. Ein eigens entwickelter Resilienz-Fragebogen mit 40 Items machte über die Zeit sichtbar, wie sich Einstellungen und Haltungen verändern.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Während die individuelle Resilienz im gesamten Panel angesichts von Inflation, Klimakrise und geopolitischen Spannungen über die zwei Jahre spürbar gesunken ist, konnten bei den CoSaturday-Teilnehmenden drei zentrale Faktoren signifikant gestärkt werden: Offenheit, kritisches Denken und Verantwortungsbereitschaft. Und das unabhängig von Alter, Bildungsgrad, Herkunft oder politischer Einstellung. 98 Prozent der Teilnehmenden hatten das Gefühl, ihre Meinung frei äußern zu können, 80 Prozent haben etwas Neues gelernt, und ausnahmslos alle würden wieder an einem CoSaturday teilnehmen.
Warum dieses Projekt für uns etwas Besonderes war
Für ein Projekt wie dieses gab es kein Handbuch. Keine vergleichbaren Studien, an denen man sich hätte orientieren können, kein erprobtes Studiendesign für ein derart komplexes gesellschaftliches Phänomen. Genau das hat CoSaturday für uns zu einem der anspruchsvollsten und zugleich sinnstiftendsten Projekte gemacht, die wir je begleitet haben.
Und genau hier hat sich gezeigt, wie gut das Mindset und Skillset von Q zu einer solchen Aufgabe passt. Es brauchte Kreativität, um aus Ansätzen der Psychologie, Soziologie, Wirtschaft und Ökologie ein Format zu entwickeln, das Gero Serfas einmal treffend als „Feuerwerk der empirischen Sozialforschung“ bezeichnet hat. Es brauchte Flexibilität, weil sich gesellschaftliche Dynamiken und Gruppenprozesse nicht in ein starres Korsett pressen lassen. Es brauchte Zuverlässigkeit, um über zwei Jahre und fünf Erhebungswellen hinweg Kontinuität und Verbindlichkeit zu gewährleisten. Und es brauchte verantwortungsbewusstes, mitdenkendes Handeln, weil es hier nicht um ein Produkt ging, sondern um Menschen, ihre Meinungen, ihre Konflikte und ihr Vertrauen. Getragen wurde all das von der fachlichen und methodischen Expertise, ein wissenschaftlich valides Studiendesign – inklusive Treatment- und Kontrollgruppe, Mixed-Effects-Modellen und signifikanten Langzeiteffekten – zu konzipieren, zu moderieren und auszuwerten.
Unser Beitrag: von der Konzeption bis zur Analyse
Als Partner von Cociety haben wir das Projekt von Beginn an mitkonzipiert, die CoSaturday-Veranstaltungen moderiert und die wissenschaftliche Analyse der quantitativen und qualitativen Daten verantwortet. Ein Projekt, das uns gefordert, aber vor allem auch bereichert hat und das zeigt, wie viel möglich ist, wenn Forschung nicht nur Erkenntnisse liefert, sondern gesellschaftlich etwas bewegt.
Die vollständige Studie „Vom Ich zum Wir“ mit allen Ergebnissen, Grafiken und Einordnungen steht hier zum Download bereit (Seite aufrufen und nach unten scrollen): www.co-ciety.org/cosaturday
Wir sind stolz auf dieses Projekt und auf ein interdisziplinäres Team, das mit vollem Einsatz und Herzblut dabei war.
Und wir sind dankbar, dass sich die Hamburgerinnen und Hamburger darauf eingelassen und uns ihr Vertrauen geschenkt haben.